GESELLSCHAFT, WIRTSCHAFT UND KULTUR
Altersstruktur
Einleitung
Dieses Kapitel beinhaltet drei Karten. Die Datengrundlage wurde von der Landesstatistik Steiermark mit Stichtag 1.1.2022 zur Verfügung gestellt, die Auswertung bezieht sich auf die jeweilige Gemeindefläche und entstammt ursprünglich aus dem zentralen Melderegister. Gesondert ausgewiesen werden auf allen Karten der jeweils größte und kleinste Wert.
Die Altersstruktur der Bevölkerung der Steiermark


Interessant ist auch die Betrachtung des Durchschnittsalters in der Steiermark. 1981 liegt dieses bei 36,2 Jahren, 2001 bereits bei 40,2 Jahren, 2022 schließlich bei 44,4 Jahren (vgl. Tab. 1). Dieser Trend ist anhand der Tabelle eindeutig erkennbar und zieht sich gleichermaßen durch beinahe alle Bezirke. Diese Entwicklung ist jedoch nicht nur auf die höhere Lebenserwartung zurückzuführen, sondern auch auf die sinkende Geburtenrate.

An der Spitze der Alterspyramide (siehe Abb. 2) ist gut die Schieflage der Geschlechterproportionen zu erkennen. Diese Zahl liegt zwar auf die gesamte steirische Wohnbevölkerung gerechnet bei 980, das heißt, dass auf 1000 Frauen 980 Männer entfallen, doch wird dieses Verhältnis durch den rapiden Rückgang der Geschlechterproportion im höheren Alter verzerrt. Während bis zum 50. Lebensjahr noch durchschnittlich 1062 Männern 1000 Frauen gegenüberstehen, nimmt die Zahl der Männer im Verhältnis zu den Frauen in höher werdendem Alter aufgrund der Verluste im 2. Weltkrieg und im Speziellen durch die höhere Lebenserwartung von Frauen stetig ab.

Bevölkerungsanteil unter 15 Jahre

Die Gemeinde mit dem größten Anteil an Kindern (von 0-15 Jahre) ist Mortantsch im Bezirk Weiz mit 19,3%, gefolgt von Seckau (MT) mit 17,7% und Niederwölz (MU) mit 17,6%. Die wenigsten Kinder wohnen in Vordernberg (LE) mit 6,2%, Eisenerz (LE) mit 7,2% und Radmer (LE) mit 7,4%. Auffallend an der Karte ist, dass die nordöstliche Obersteiermark eine deutlich unterdurchschnittliche Kinderzahl aufweist, diese geht einher mit einer überdurchschnittlichen Überalterung der Bevölkerung in den selben Gemeinden. Die Bergbaugemeinde Eisenerz ist bekannt für enorme Abwanderungszahlen und sticht auch in den beiden folgenden Karten mit Extremwerten hervor. Am 1.1.2022 zählt Eisenerz schließlich nur mehr 3 609 Einwohnerinnen und Einwohner, damit hat sich die Zahl seit den 1950er Jahren, als noch etwa 13 000 Menschen hier lebten, auf fast ein Viertel reduziert!
Bevölkerungsanteil von 15 bis 65 Jahre

Bevölkerungsanteil über 65 Jahre

So erreicht die Gemeinde Eisenerz einen Anteil von 39,6% an über 65-jährigen Personen, auf den weiteren Plätzen folgen Vordernberg mit 32,6% und Radmer mit 32,5% - Tendenz steigend! Insgesamt haben 176 Gemeinden, das entspricht über 60% aller steirischen Gemeinden, einen höheren Anteil dieser Gruppe als der Durchschnitt in der Steiermark, der bei 21% liegt. Die wenigsten Menschen ab 65 Jahre leben in den Gemeinden Gralla (LB, 14,1%), Ludersdorf-Wilfersdorf (WZ, 14,3%) und Kalsdorf bei Graz (GU, 14,6%).
Bevölkerungsentwicklung in Eisenerz
Da Eisenerz in allen drei Karten mit Extremwerten auffällt, folgt an dieser Stelle ein kurzer historischer Rückblick über die Bevölkerungsentwicklung in der Stadtgemeinde Eisenerz. Diese steht in direktem Zusammenhang mit dem Erzberg als „Arbeitgeber“.
Über viele Jahrhunderte hinweg brachte der Abbau von Eisenerz am Erzberg dem Ort und der gesamten Umgebung Arbeit und Wohlstand. Mit dem 1. Weltkrieg wurde diese positive Entwicklung unterbrochen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch nach dem verlorenen Krieg und das Zerfallen der Monarchie bewirkten eine starke Bevölkerungsabnahme. Schon bald erholte sich die Wirtschaft wieder, doch mit der Weltwirtschaftskrise 1929 kam es zu Massenentlassungen und damit zu einer massiven Abwanderungswelle. Vor Beginn des 2. Weltkrieges fanden jedoch wieder viele Menschen am Erzberg Arbeit. Den absolut höchsten Bevölkerungsstand hatte Eisenerz 1944 während der NS-Zeit mit über 18 000 Bewohnerinnen und Bewohnern (wird in Tab. 2 nicht berücksichtigt), dies ist jedoch in einer hohen Anzahl an Fremd- und Zwangsarbeitern begründet. Schon bald nach Ende des 2. Weltkrieges sank die Bevölkerungszahl wieder und 1951 lag sie schließlich bei knapp 13 000. In den Jahren nach dem Krieg erfolgte zunächst eine Hochkonjunktur, was viele Arbeitsplätze mit sich brachte und somit auch die Einwohnerzahl steigen ließ. Doch mit zunehmender Globalisierung wurde Importware aus Übersee immer bedeutender, diese war billiger und hatte zudem einen deutlich höheren Eisengehalt als das Erz vom Erzberg (rund 30% Eisengehalt). Bereits in den 1960er Jahren kam es zu einem Aufnahmestopp im Werk, die Belegschaft wurde jedoch gehalten. Mit der steigenden Technologisierung und Rationalisierung sowie durch den billigen Import von Roheisen erfolgten ab 1980 schließlich auch Entlassungen, was sich in der Bevölkerungsentwicklung deutlich bemerkbar machte. Der Bevölkerungsrückgang konnte bis heute nicht gestoppt werden (vgl. Abb. 3 und Tab. 2). Vor allem junge Leute wanderten aufgrund von mangelnden Arbeitsplätzen ab. Daraus ergab sich ein Geburtenrückgang und in weiterer Folge eine Überalterung der Bevölkerung.
2005 wurde schließlich das Projekt „redesign Eisenerz“ ins Leben gerufen. Hierbei wird mittels gezielter Schrumpfungsmaßnahmen versucht, aus der Stadt wieder einen lebenswerten Ort zu machen.
Das Durchschnittsalter der Gemeinde lag 2022 bei 55,7 Jahren, damit ist Eisenerz nicht nur die älteste Gemeinde der Steiermark, sondern sogar ganz Österreichs!


Quellenverzeichnis
Datengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Landesstatistik Steiermark
Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS
Weiterführende Literatur:
Moser M. (2011): Die Krise des Erzbergbaus. Das Beispiel Eisenerz. – Unpubl. Diplomarbeit, Universität Wien.
Internetquellen:
Statistik Austria: www.statistik.at
Landesstatistik Steiermark: www.landesstatistik.steiermark.at
www.eisenerz.at
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24
Autorinnen und Autoren
Mag.a Edeltraud Pirker (2016, 2023)
Kartengestaltung:
Mag.a Edeltraud Pirker (2016, 2023)
Arbeitsmaterialen:
Mag. Michael Lieb
Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb
Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb
Web-Bearbeitung:
Mag.a Edeltraud Pirker (2019, 2023)
Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc