BASISINFORMATIONEN UND GRUNDLAGEN
Grenzen Europas
Einleitung
Das Thema Europa wird in der Öffentlichkeit in Hinblick auf sozioökonomische, kulturelle und vor allem politische Probleme breit diskutiert. Manche dieser Diskussionen führen zur Frage, wie denn Europa überhaupt abzugrenzen sei. Gerne kommt dann ein „geographisches Europa“ ins Spiel, worin sich die Vorstellung widerspiegelt, dass die Geographie als etablierte Wissenschaft ein klar definiertes Territorium namens Europa kenne. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr kennt die Geographie einen langen innerfachlichen Diskurs über die Territorialität Europas (Beitrag von Schultz in Reuber et al. 2012) und öffnet sich seit jeher auch entsprechenden außerfachlichen Diskursen. Denn das Fach hat kein Monopol auf die Festlegung von Territorien, sondern kann nur deren Konstruktion kritisch begleiten, kommentieren oder dekonstruieren. Im Zuge dieses Kapitels werden die Grenzen Europas mit Schwerpunkt auf die Ostgrenze(n) thematisiert.
Ostgrenzen Europas

Die wohl am weitesten verbreitete Vorstellung und die häufigste Antwort auf die scheinbar so einfache Frage, was Europa sei, lautet: „Europa ist ein Kontinent“. Dies impliziert die Frage, was ein Kontinent ist. Ein solcher wird meist als Festlandmasse definiert, mit oder ohne dezidierter Nennung der diese umgebenden Meere. Damit entsteht zum einen die Notwendigkeit, eine Mindestgröße der Festlandmasse bestimmen zu müssen, um Kontinente von Inseln zu unterscheiden, und zum anderen das Problem, dass die solcherart definierten Räume unterschiedlich abgegrenzt werden und ihre Zahl variieren kann (die Karte auf Wikipedia 2016 wechselt alle paar Sekunden zwischen 5, 6 und 7 Kontinenten). Konkret für Europa besteht ein „Defizit einer allseitigen Meerumgrenzung“ (Lichtenberger 2005, 12), weil es im Osten mit der asiatischen Festlandmasse zusammenhängt. Der hierfür vorgeschlagene Begriff „Eurasien“ konnte sich nur in bestimmten wissenschaftlichen Kontexten (z.B. Plattentektonik) durchsetzen.
Daher gibt es eine lange Diskussion um die Abgrenzung Europas von Asien, mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Autorinnen und Autoren, die Abgrenzungen vorgeschlagen haben, ungefähr jener der Abgrenzungen entspricht. Dabei wird interessanterweise die Uralgrenze so häufig verwendet, dass man den Eindruck gewinnen könnte, es herrsche über sie Konsens (zumal sie in vielen Quellen, auch Schulbüchern, unreflektiert und somit die „Wahrheit“ suggerierend reproduziert wird). Dies ist jedoch keineswegs der Fall, vielmehr handelt es sich um eine von vielen Möglichkeiten – in Zusammenhang mit der Europäisierung Russlands vom schwedischen Gelehrten Strahlenberg 1730 vorgeschlagen (Fassmann 2002, 30) – die obendrein in ihrer südlichen Fortsetzung zum Schwarzen Meer besonders viele Varianten (z.B. Manytsch-Niederung vs. Kaukasus-Hauptkamm) kennt.
Auch die wohl ebenso häufig verwendete Bosporus-Grenze entspringt bestimmten, in diesem Fall bereits auf die Antike zurückgehenden Denktraditionen und kann, auch wenn dies selten geschieht, in Frage gestellt werden. Somit muss das Konzept „Europa als Kontinent“ (mit einer klaren, eindeutigen Grenze) als problematisch gelten, weil es eben keine eindeutige Abgrenzung des europäischen Territoriums liefert.
Quellenverzeichnis
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf
Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe:
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568
Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24
Autorinnen und Autoren
Texte zu den Karten:
Mag. Michael Lieb (2020)
Arbeitsmaterialien:
Mag. Michael Lieb (2020)
Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb (2020)
Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb (2020)
Web-Bearbeitung:
Christian Lieb MSc. (2019)
Redaktionelle Bearbeitung:
Nora Schopper BA MSc