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NATURRAUM UND PHYSISCHE GEOGRAPHIE

Lawineneinzugsgebiete

Einleitung

Natürliche Prozesse werden als Naturgefahren wahrgenommen, wenn sie in der Lage sind, Menschen oder Objekten direkt oder indirekt zu schaden. Natürliche Prozesse werden erst durch das Urteil von Menschen oder einer Gesellschaft als Naturgefahr interpretiert, dabei spielen Wertvorstellungen, der Umgang mit den Gefahren und Bewältigungsstrategien eine große Rolle. In den Naturgefahrenkarten werden Hochwasser, Erdbeben, Lawinen, Rutschungen und Muren dargestellt.


Lawineneinzugsgebiete
Lawineneinzugsgebiete

Die Karte „Lawineneinzugsgebiete“ gibt einen Überblick über alle im steirischen Lawinenkataster erfassten Lawineneinzugsgebiete.

Die Steiermark gilt zwar nicht als klassisches „Lawinenbundesland“ wie Tirol oder Vorarlberg, dennoch gibt es – bedingt durch den großen gebirgigen Anteil, welcher immerhin die Gesamtfläche von Tirol übertrifft (!) – eine außerordentlich große Zahl von Lawineneinzugsgebieten, von denen ein beträchtlicher Teil auch Verkehrswege und Siedlungen gefährdet; viele davon sind allerdings inzwischen verbaut.

Betrachtet man die Lawineneinzugsgebiete in ihrer geographischen Verbreitung, so kann man feststellen, dass sich der größte Teil in den Niederen Tauern, am Dachstein, am Grimming, im Toten Gebirge, in den Eisenerzer Alpen, in den Ennstaler Alpen mit dem Gesäuse sowie in Randbereichen des Hochschwabmassivs und den übrigen Steirisch-Niederösterreichischen Kalkalpen befindet. Generell ist dabei ein Nordwest-Südost-Gefälle zu beobachten.

Diese Lageverteilung ist vor allem dadurch zu begründen, dass die genannten Gebirgszüge großflächig die notwendigen Hangneigungen aufweisen, während z.B. im Steirischen Randgebirge rundliche, sanfte Kämme ausgebildet sind, die Lawinenabgänge nicht begünstigen. Es fällt auch auf, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Lawinenzüge am Alpenhauptkamm oder nördlich davon liegen, was durch die vorherrschende Herkunft der Schneeniederschläge aus dem Nordwesten zu erklären ist.

Steiermarkweit gibt es 1374 ausgewiesene Lawinengebiete (Inhalt der Karte „Lawineneinzugsgebiete“, Stand 2019), wovon nach der angewandten Auswertemethodik rund 280 eine Gefahr für Infrastruktur darstellen (Inhalt der Karte „Lawinengefährdung“). Dabei erweisen sich – was zuletzt der Winter 2004/05 gezeigt hat – folgende als besonders gefährliche Gebiete:

- Koppental
- Grimming
- Gesäuse (und Gemeindestraße nach Radmer)
- Salzatal
- Zufahrt zur Planneralm
- Sölkpass (deshalb Wintersperre!)
- Pusterwaldtal
- Präbichl
- Niederalpl

Dass Lawinen jedoch kein reines Hochgebirgsphänomen sind, beweist am besten die Katastrophe am Plankogel (Bezirk Weiz), wo 1962 eine Lawine ein Bauernhaus völlig zerstörte und dabei zwei Personen in den Tod riss.

Die Häufigkeit und Intensität des Lawinengeschehens ist vor allem meteorologisch bedingt. Die Auswirkungen solcher Ereignisse stehen aber in enger Beziehung zu menschlichen Eingriffen in die Natur. Diese können sowohl positiv (Lawinenschutzmaßnahmen) als auch negativ (Rodung oder dgl.) sein. Durch den Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung wurden bis heute 83 Lawinenbahnen in der Steiermark durch permanente Schutzmaßnahmen gesichert (Inhalt der Karte „Lawinenverbauungen“), sodass viele Siedlungen und Verkehrswege keiner unmittelbaren Gefahr mehr ausgesetzt sind. Leider bieten diese Maßnahmen jedoch nicht immer ausreichend Schutz, wie sich gerade im Winter 2004/05 gezeigt hat. So wurde beispielsweise die Lawinengalerie zum Schutz der Salzkammergutstraße (B 145) vor der Multerecklawine (an der Ostflanke des Grimmings) zu kurz konzipiert. Aus diesem Grund kam der Verkehr zwischen dem Ennstal und dem Ausseerland mehrere Tage zum Stillstand, weil das betreffende Straßenstück aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste.


Die wichtigsten Anlagen des permanenten Lawinenschutzes in der Steiermark liegen in folgenden Gemeinden:

- Gemeinde Vordernberg (Vordernberger Mauern Lawinen)
- Gemeinde Gußwerk (Wetterinlawinen)
- Gemeinde Turnau (Seeberglawinen)
- Gemeinde Hieflau (Gesäuse)
- Gemeinde Eisenerz
- Gemeinde Wildalpen
- Gemeinde Palfau
- Gemeinde Admont, Weng bei Admont und Johnsbach (Gesäuse)
- Gemeinde Ardning
- Gemeinde Donnersbach (Schindelrinnelawine)
- Gemeinde Altaussee (Loserlawinen)
- Gemeinde Pusterwald
- Gemeinde Pürgg / Trautenfels (Grimming)


Quellenverzeichnis

Kartengrundlage:
Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachstelle GIS

Steirischer Lawinenwarndienst:
www.lawine-steiermark.at (mit zahlreichen Links)

Posch, E., 2004:
Die Siedlungen und Verkehrswege gefährdenden Lawinen der Steiermark. – Diplomarbeit am Inst. f. Geographie und Raumforschung d. Universität Graz,   96 S.

Lehrplan Volksschule, Sachunterricht:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_vs_7_su_14051.pdf?61ec03

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Unterstufe/NMS:
https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/lp/ahs9_784.pdf?61ebyf

Lehrplan Geographie und Wirtschaftskunde, AHS Oberstufe: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10008568

Lehrpläne BHS (HLW und Tourismusschulen, HAK, HTL, BAfEP):
https://www.abc.berufsbildendeschulen.at/downloads/?kategorie=24

Autorinnen und Autoren

Text:
Mag.a Edeltraud Pirker (geb. Posch) (2005)

Kartengestaltung:
Mag.a Edeltraud Pirker (geb. Posch) (2005, 2019), Anna Weissinger MSc (2024)

Arbeitsmaterialien:
Mag.a Edeltraud Pirker (geb. Posch), Ao. Univ. Prof. Mag. Dr. Gerhard Karl Lieb,
Mag. Michael Krobath

Lehrplanbezüge:
Mag. Michael Lieb

Mögliche Lernziele:
Mag. Michael Lieb

Web-Bearbeitung:
Mag.a Edeltraud Pirker (2019), Anna Weissinger MSc (2024)

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